Sonntag, 18. März 2018

Esoterik mit Überlegenheitsanspruch

Ausgelöst durch die Debatte über skandalöse Fehlplanungen des KH Nord und die enorme Geldsumme, die einem sogenannten Energetiker für die Errichtung eines "Schutzringes" um das Krankenhausgelände ausbezahlt wurde, sind mir Begegnungen mit Menschen eingefallen, die sich mit ähnlichen esoterischen Werkzeugen in meinem Leben wichtig gemacht haben.
Vorausschicken möchte ich gleich, dass ich zwar ein pragmatischer Verstandesmensch bin ( als Steinbock, no na) aber doch daran glaube, dass es mehr gibt, als das was man mit Wissenschaft und Technik erfassen oder beweisen kann.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Die erste Person, über die ich erzählen möchte, nenne ich hier den "Guru", weil ihn mein Arbeitskollege nach kurzem Kennenlernen so bezeichnet hat.
Als ich den Guru traf, war ich von seiner Intelligenz, seinem Humor, seinem Charme und seiner Offenheit sehr angetan. Erstens weil ich zu dieser Zeit einen ziemlichen Mangel an interessanten Gesprächspartnern hatte und zweitens weil er von mir einen Vertrauensvorschuß bekam: wir kannten uns schon als Kinder.
Obwohl er damals in einem harten Handwerksberuf beschäftigt war, verblüffte er mich mit vielen unterschiedlichen Interessen und wir führten stundenlange hochinteressante Gespräche und ich fühlte mich anfangs total verstanden.
Nach einiger Zeit stellte sich bei mir ein gewisses Unwohlsein bei unseren Treffen ein, ein merkwürdiges Gefühl der Kleinheit und Unterlegenheit. Die Führung in unseren Gesprächen, die Wahl des Ortes, die Dauer unserer Treffen hatte immer er in der Hand. Aber nie so stark, dass es mir bewußt unangenehm war, sondern sehr unterschwellig, sonst hätte ich es ja so klar gesehen, wie ich das erst Jahre später sehe.
Nach einiger Zeit erzählte er dann davon, sich mit seinen Freunden auf "schamanische Reisen" zu begeben, das sind Reisen im Geiste in einem tranceähnlichen Zustand und ermunterte mich dazu, mich von ihm in so eine "Reise" führen zu lassen.
Da ich aber ein absoluter Kontrollfreak bin, kam diese Idee für mich überhaupt nicht in Frage, und wenn er mir noch in so bunten Farben davon schilderte.
Ein anderes Mal erzählte er von einer "schamanischen Schwitzhütte" und von vielen ähnlichen Ritualen und Festen. Anfangs für mich interessant, nach einiger Zeit absolut eintönig in der Thematik.
Ich widersetzte mich aber allen Einladungen zu solchen Festen und lehnte auch die "schamanische Reise" ein für alle Mal ab.
In unseren Gesprächen kam er auch immer wieder auf "NLP" zu sprechen - ich hatte zu diesem Zeitpunkt ( vor 16 Jahren) noch nie davon gehört. Er habe viele Seminare besucht und eine mehrjährige und teure Ausbildung gemacht und sei NLP-Master-Practitioner.
Das sagte mir nun so überhaupt nichts und er sprach auch nicht im Detail darüber, aber mir war schon klar, dass er sich durch diese Ausbildung deutlich wissender als viele andere fühlte.
Seine Freundinnen wechselten ständig, er traf sich aber auch noch viele Jahre später mit Exfreundinnen, mit denen allen er ein noch immer verblüffend gutes Einvernehmen hatte. Nach meiner Beobachtung hingen sie noch Jahre später an seinen Lippen und waren offensichtlich auch nach Ende der Beziehung noch lange in ihn verliebt.
Wir verloren uns dann aus den Augen, weil er wegen einer neuen Freundin nach Graz zog. Als diese Beziehung auch endete, kam er wieder nach Wien, kündigte seinen Job (Metall und Technik) und begann eine Ausbildung als Shiatsu-Masseur, in dem er noch immer arbeitet und gut verdient.
Durch Zufall bekam ich ein-, zwei Jahre später die Möglichkeit eines NLP-Wochenend-Seminars und besuchte es mit einer Freundin.
Und danach fiel es mir wie Schuppen von den Augen, mit welcher Technik ich die ganze Zeit von ihm bespielt worden war: wie führt man ein Gespräch, wie würgt man Zweifel und Widerspruch so ab, dass sich der Gesprächspartner, ohne irgendwo einhaken zu können, wie ein Unwissender fühlt? Wie verursacht man Vertrauen im Gespräch durch "Spiegelung" in Sitzhaltung und Wortwahl? Usw usw.....
Sämtliche Werkzeuge, die er benutzt hatte, bei mir, bei Kollegen, bei Freundinnen, wurden in diesem Seminar vorgetragen.
Und mir wurde klar: der Guru, der so schön von Feinfühligkeit und Sensibilität salbaderte, hatte eiskalt und egomanisch eine erlernte Technik an uns eingesetzt, um verschiedene Ziele zu erreichen.
Ab und zu treffen wir uns heute noch durch Zufall in einem gemeinsamen Freundeskreis- jedes Mal ruft er mich danach an und möchte sich gern mit mir allein treffen. Ich sagen dann vage: ja,ja... und meine: na, sicher nicht.
Und jedes Mal, zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt, muß er dann das Gespräch wegen irgendeines wichtigen Ereignisses ( der Zug kommt, da ruft grad wer an, meine Freundin kommt grad,...) beenden.
Er hält noch immer das Gespräch in der Hand.
   

Sonntag, 11. März 2018

Ungeplante Pause

Ab und zu verordne ich mir ja bewußt Pausen - wenn ich von etwas Abstand gewinnen will, zum Beispiel.
In diesem Falle ist die lange Pause in meinem Blog aber eher ungeplant eingetreten - besser gesagt, war mir gar nicht bewußt, dass die Pause schon so lange gedauert hat.
Der Grund waren mehrere Projekte, die mich ziemlich beschäftigt haben.

Erstens haben wir den ganzen vorigen Sommer an Renovierungsarbeiten am Haus gearbeitet und ich war am Abend meistens zu geschlaucht, um mich noch vor den PC zu setzen.
Zweitens habe ich begonnen, ein Buch zu schreiben und habe auf den ersten Seiten sehr darum gekämpft, den richtigen Ton zu finden und hatte die Befürchtung, durch das Blogschreiben, da wieder zurückgeworfen zu werden. Ich hatte eine Idee, einen Plan, aber der ist mir anfangs immer wieder durch die Finger geglitten. Erst nach einigen Monaten hatte ich eine genauere Vorstellung davon und mir auch eine bestimmte Arbeitsweise zurechtgelegt, mit der ich jetzt weiterkomme. Langsam.

Drittens habe ich an einem neuen musikalischen Projekt gearbeitet, über das ich fürs Erste nichts hier erzählen wollte, das mich aber doch sehr in Anspruch genommen hat.
Den Traum von dieser Band hatte ich schon immer, alle haben bisher dazu uninteressiert abgewunken. Letztlich hat mich eine Panikattacke und Bühnenangst zu dem Gedankengang gebracht: ich möchte EINMAL Musik machen, die MIR gefällt und ich möchte, dass es mir völlig wurscht ist, ob es dem Publikum gefällt.
In dieser Stimmung habe ich eine ellenlange persönliche Songliste erstellt und mir einen Bandnamen und ein Szenario ausgedacht. Und als ich diese Idee vortrug, bekam ich plötzlich von mehreren Seiten ein interessiertes Ja! und auch noch viele nützliche Tips.
Derart beflügelt habe ich auch noch ein Lied komponiert und getextet.
Ja - soweit kann einen die Angst treiben!

Viertens war da auch noch Alltag, Urlaub, Weihnachten und das Weihnachtstief und meine Couch und Twitter...
Twitter und eine Spiele-App.....#blamablesOuting